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15 Klosterhof - Heimatgeschichte Gundelfingen

Heimatgeschichte Gundelfingen

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15 Klosterhof

Kulturpfad Gufi
Der "Kulturpfad Gundelfingen" wurde in den Jahren 2005-2008 gemeinsam von den Ortsgruppen des BUND Gundelfingen und des Schwarzwaldvereins Gundelfingen/Wildtal sowie vom Verein für Heimatgeschichte Gundelfingen und Wildtal errichtet und der Gemeinde Gundelfingen zur 1.000-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung 2008 geschenkt.
Das Quellenmaterial zur Hofgeschichte des Klosterhofes reicht zurück bis in das Jahr 1321. Es ist das Jahr, in dem die Klosterfrauen des Zisterziensernonnenklosters in Rottenmünster am Neckar den Gundelfinger Hof erwarben.
Die vier Familien Hermann Müller, Hermann Gipper, Hermann Günter und Konrad Mürer waren damals im Besitz des Hofgutes. Die Gründe für den Erwerb der landwirtschaftlichen Güter sind jedoch praktischer Natur. Die Rottenmünster-frauen verfügten über einen beachtlichen Grundbesitz am oberen Neckar.  
Was ihnen gänzlich fehlte, war die Selbstversorgung mit Wein. Um diese Lücke zu schließen, erwarben sie, trotz der für damalige Verhältnisse erheblichen Standort­problematik, einige Güter im Breisgau, darunter neben anderen kleineren Höfen ein großes Weingut in Ebringen sowie den Klosterhof in Gundelfingen. Das Lagerbuch von 1327 überliefert für den Gundelfinger Besitz die Kaufsumme von 200 Mark Silber.
Bis spät in das 17.Jahrhundert hinein änderten sich die Besitzverhältnisse am Klosterhof nicht mehr. Der Gundelfinger Hof gehörte von nun an zum festen Besitz Rottenmünsters.
Bild 1: Wohnhaus des Klosterhofs vor der Renovierung 1968-69 von Südosten
Bereits im 15. Jahrhundert zählte der Klosterhof zu den großen Erblehenhöfen der Zisterzienserinnen. Die Klostergüter wurden gegen Zins von den Lehensträgern bewirtschaftet. Dies waren auch in Gun­delfingen in der Regel die Bauern, die selber den Pflug führten.
Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgten die Abgaben der Bauern an die Grundherren meist in feststehenden jährlichen Zinszahlungen.
Im späten 15. Jahrhundert wurden die Zinsabgaben zunehmend auch in Form von Geld ge­leistet, so auch am Klosterhof. Ab 1479 zahlten die Klosterhofbauern den Klosterfrauen von Rottenmünster 20 Pfund Rap­pen Freiburger Pfennig.
Bild 2: Nördliche Giebelwand vor der Renovierung 1968-69
Nach 1767 wechselte der Klosterhof in markgräflichen Besitz und wurde bäuerliches Eigentum. In den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts hatten auch die Klosterbauern hohe Kriegsabgaben zu leisten.
Bild 3:  Treppenaufgang vom Keller vor der Renovierung 1968-69
Im Familienbesitz der Familie Müller befinden sich auch heute noch Aufzeich­nungen über die Besitzverhältnisse seit 1767, dem Jahr, in dem der Gundelfinger Hof erstmals nicht mehr in den Rechnungsbüchern des Klosters Rottenmünster auf­taucht.

Ab dem 19. Jahrhundert ermöglichen Aufzeichnungen der Evangelischen Kirche und der Gemeinde eine exakte Rückver­folgung der familiären Entwicklungen der Familie Müller und der Besitzverhältnisse am Klosterhof.
 
Bild 4: Wohnhaus nach der Renovierung 1968-69
Der auch heute noch von der Familie Müller geführte Hof ist jetzt Bioland-Betrieb mit Gemüseanbau und wird als Vollerwerbsbetrieb bewirtschaftet.

Fazit:  Aus den überlieferten Urkunden kann man schließen, dass Angehörige der Familie Müller seit dem frühen 14. Jahrhundert den Hof führen.
Bild 5:  Klosterbauer Friedrich Müller mit Ochsen "Seppli" und seiner Gespannmähmaschine aus den 1920er-Jahren. Ursprünglich wurde sie von zwei Ochsen gezogen und das Mähwerk wurde über die Räder angetrieben. Etwa 1938 rüstete der Klosterbauer die Mähmaschine mit einem Aufbaumotor nach (Zwei-Takter Auto-Union Chemnitz, 123 ccm, 2,3 PS). So lief das Mähwerk unabhängig von den Rädern und der Zuggeschwindigkeit und es reichte ein Ochse vor der Maschine.
Text nach Steffi Kamp: Die Geschichte des Klosterhofs zu Gundelfingen, Jahrbuch „Schau-ins-Land“ 119 (2000)
Bilder 1-3: Regierungspräsidium Freiburg, Referat 25 – Denkmalpflege, 4-5: Archiv Verein für Heimatgeschichte
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